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Installation / 2012 / 80 x 40 x 200 cm / Federobjekt, Beatmungsapparat

Mit einem schweren, pumpenden Geräusch, wie von einem Blasebalg oder einer Ziehharmonika, die man zum spielen auseinander zieht, beginnt  das synergetische Spiel der zwei durch einen Schlauch verbundenen Elemente in Simone Kesslers Arbeit "Federlunge". Eine mit einem elektrischen Motor betriebene Maschine steht wie ein schweres, erdendes Gewicht auf dem Boden, sie erinnert an industrielle Geräte aus einem anderen Jahrhundert, die gesamte Mechanik ist unverblendet und damit nachvollziehbar. Nicht Zauberei sondern Technik treiben das fast schwebend wirkende, gut zwei Meter darüber an einer Stange montierte Objekt an, bringen es zum Klingen, zum Atmen. Wie ein sterbender Schwan schwebt der gefiederte, weiß schimmernde Ballon in der Luft, zieht sich zusammen, man hört wie die Luft entweicht und dann, von der Pumpe künstlich beatmet, sich wieder mit Luft und Leben füllt, praller wird, das Gefieder sträubt. Es ist ein stark ästhetisiertes Bild, dieses gefiederte, an ein Lebewesen gemahnenden und dennoch künstlichen Objekt, das, ähnlich wie der Mensch an der Beatmungsmaschine, zum Tode verurteilt ist, sobald der Motor still steht oder die Mechanik versagt.  Im Neologismus "Federlunge" kulminieren nun die verschiedenen Assoziationen von Beatmungsmaschine und Tier, er konkretisiert diese und öffnet das Spektrum weiter in eine medizinisch instrumentale Richtung von Krankheit oder Folter.

So zieht der leise Atemversuch eines ätherisch entschwebenden Federtieres einen traurigen, fast brutalen Kreislauf mit sich, der die Fragen Sterben und Erhalt von Leben auf sehr ästhetische Art beleuchtet.

(Text: Sarah Lehnerer)