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Rauminstallation, Videoprojektion auf durchsichtige Gaze, Lichtspots;

Eine Kooperation mit Malte Bruns

„Aus dem Moment wurde ein langer Moment, und auf einmal war es ein sehr langer Moment – so lang, dass schwer zu sagen war, wo all die Zeit herkam.“ (Douglas Adams)

Worauf wartet er? Etwas abseits der Hektik des U-Bahn-Zwischengeschosses, durch eine Glaswand vom Strom der Pendler abgesondert, spurt er unruhig auf und ab wie ein hospitalisiertes Tier im Käfig: die Hände in die Taschen seines Anzugs vergraben, den Blick auf den Boden geheftet und nervös an einer Zigarette ziehend. Hin und wieder bleibt er stehen und sieht unverwandt zu uns herüber. Was, fragen wir uns, hält ihn in seiner Endlosschleife fest? Hofft er auf eine Entscheidung, ein Urteil, eine Nachricht? Auf die erlösende, glückliche Wendung, auf den Neuanfang? Oder fürchtet er sich vor dem, was kommen könnte, vor einer traurigen Gewissheit, einem Ende? Im angespannten Schwebezustand zwischen einer nicht mehr gültigen Vergangenheit und einer noch nicht eingetretenen Zukunft dehnt sich die Zeit unerträglich, und wir sind froh, dass wir, diesseits der trennenden Wand, einfach weitergehen könnten, wenn wir wollten. Dann aber, plötzlich, taucht unser eigenes Bild im reflektierenden Glas der Fensterfront auf, einen Schritt bloß von der phantomhaften Erscheinung entfernt. Für einen Moment sind die Rollen verdoppelt und wie in einem Vexierspiel austauschbar: Ist der Mann, den wir dort drüben sehen, nur die Spiegelung eines Passanten in unserem Rücken, der uns die Hand auf die Schulter legen könnte und sagen: warum hast Du angehalten? Oder sind es in Wahrheit wir selbst, die jenseits der Scheibe stehengeblieben sind und nun unsicher hinausstarren ins Freie? Und wenn dem so wäre: worauf warten dann wir?
 
(Text: Dr. Christian Harthard)